Mittwoch, 27. August 2014

Finnische Mentalität

In der Vorbereitung auf dieses Austauschjahr wurden mir einige finnische Klischees nahe gelegt und mit auf den Weg gegeben. Man merkt natürlich gewisse Unterschiede im sozialem Leben der Finnen im Vergleich zu der Mentalität der Deutschen. Dass die Finnen alle in sich gekehrt und schüchtern sind stimmt natürlich nicht, aber ein bisschen was ist da schon dran. In den ersten Tagen fällt mir da noch nicht so viel auf, weil ich immer noch viel neues erlebe und mich alle auch herzlich und freundlich empfangen haben. Als ich mich in der Schule meinen Klassenkameraden vorstelle und jeden einzeln begrüße gibt es einzelne die mit mir gleich ein Gespräch anfangen und mit denen ich mich auch schnell in den ersten Tagen anfreunde. Jedoch fällt mir nach der ersten Woche auf, dass ich eigentlich nur mit einem kleinen Teil der Klasse gut befreundet bin und alle anderen gar nicht kenne und auch noch kein Wort mit ihnen gewechselt habe. In den Pausen sitzen viele von denen im Schulhaus rum und schauen auf ihre Handys und selbst wenn sie in einer Gruppe zusammensitzen wird nicht viel oder gar nicht geredet. Es ist deshalb auch viel ruhiger in den Pausen und im Unterricht, als ich es gewöhnt bin. Zum Glück habe ich mit meinem neuem Freundeskreis immer was zu reden und was zu tun in den Pausen. Deswegen glaube ich, dass dieses Klischee nur auf einen Teil der Finnen zutrifft, aber ich bemerke es und versuche damit klar zu kommen.
Dass alle Finnen emotionslos und in sich gekehrt sein sollen, konnte ich den ersten Tagen überhaupt nicht erkennen, da ich von herzlichen Begrüßungen umgeben war. Was mir im Vergleich zu Deutschland auffällt, ist, dass die Finnen nicht so viel Wert auf Begrüßungen, Verabschiedungen und Small-talk legen. Wenn man auf Bekannte oder Freunde trifft, wie z.B. in der Schule, begrüßt man sich mit einem einfachen Hallo und gesellt sich zu seinen Freundeskreis. Einen Handschlag oder ein nettes "wie gehts?" erlebt man selten und es dauert ein bisschen bis man ins Gespräch kommt. Schlimm finde ich das nicht, aber man muss sich erstmal daran gewöhnen und nach einer Weile ist das auch kein großes Problem mehr.
Das selbe gilt auch für Geburtstage, Besuche oder Feste. An Geburtstagen wird gratuliert und natürlich auch Geschenke überreicht, aber manchmal ohne große Glückwünsche und gefeiert wird dann meistens auch nicht so groß oder gar nicht. Das ist natürlich nichts schlimmes, aber ist erstmal ungewohnt und wirkt auf den ersten Blick als ob es nicht von Herzen kommt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe den Eindruck, dass alle mit einen unglaublichen respektvollen und freundlichen Umgang miteinander umgehen und nur die Art und Weise wie sie ihre Herzlichkeit ausdrücken anders ist, als ich es gewöhnt bin. Mir fällt das vor allem bei dem Gebrauch des Wortes "kiitos" (danke), welches die Finnen gar nicht oft genug sagen können. Bei jeder Kleinigkeit wird sich höflich bedankt, vor und nach dem Essen, wenn man seine Hilfe anbietet und manchmal wird sich sogar nach dem bedanken bedankt.
In manchen Gesprächen herrscht ab und zu einfach mal stille, was zuerst wie ein peinliches Schweigen wirkt, für die Finnen aber eine angenehme Ruhe ist.
Alles in allem komme ich mit dieser Art von sozialem Umgang sehr gut zurecht und manchmal gefällt es mir sogar ein bisschen besser als ich es vorher kannte.

3 Kommentare:

  1. Antworten
    1. Ich bin jetzt auch seit kurzem in Finnland und mir gefällt das Land und die Mentalität, Freundlichkeit sehr gut.

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